Tim Ferriss: Der 4-Stunden-Körper

4-Hour-body-mp-webFitter – gesünder – attraktiver – Mit minimalem Aufwand ein Maximum erreichen. So hätten wir es gerne,  und darüber geht es in dem Buch des Erfinders der 4-Stunden-Woche (auch so ein Bestseller).

Und nun weiß ich nicht recht, was ich von dem Buch halten soll. Tim Ferriss hat in dem 4-Stunden-Körper 2010 aufwändig neueste Erkenntnisse rund um den Körper gesammelt, damit wir, die Leser, uns das eigene Recherchieren sparen können. Der schillernde Autor hat sich mit Studien auseinandergesetzt und direkt mit Wissenschaftlern, Sportmedizinern und professionellen Trainern gesprochen. Und weil er so experimentierfreudig ist, hat er selbst Versuchskaninchen gespielt. Die Ergebnisse schildert er in dem Buch.

Der 4-Stunden-Titel suggeriert, dass es wirklich um 4 Stunden ginge. Gemeint ist aber, dass es einige wenige Methoden gibt, die besonders gut wirken.  Und dass es leichter sei, sich mit diesen wenigen Methoden und Übungen fit und schlank zu halten, statt mit einem zeitraubenden Rund-um-Paket, wie z.B. vielen verschiedenen Übungen und ihre vielen Wiederholungen an mehreren Tagen die Woche oder im Falle einer Ernährungsumstellung viele verschiedene Rezepte, aufwändiges Einkaufen, Kochen, Kalorienzählen.

Breites Sortiment für den Body

Teilweise ist Ferris sehr detailliert. So schildert er genau, welche Möglichkeiten es gibt, um Werte wie Gewicht, Fettanteil, Muskelanteil, Wasseranteil, Oberarmumfang oder Bauchumfang usw. zu messen. Es gibt Kapitel übers Gewichtreduzieren, klar. Aber auch über Nahrungsergänzung, das Kettlebell-Training und Bankdrücken, Anleitungen zu einem besseren Laufstil und eine effizientere Schwimmtechnik und auch für einen besseren Schlaf. Sogar der Sex wird nicht vergessen.

Diese Querbeet-Mischung habe ich nicht von Anfang bis zum Ende gelesen. Vieles habe ich überflogen, in vieles habe ich mich vertieft. Denn spannend geschrieben ist es. Ferriss schafft es, anschaulich biologische Hintergründe und funktionale Gegebenheiten zu skizzieren. Dies immer im Hinblick darauf, wie sich dieses Wissen praktisch für Training und Ernährung einsetzen lässt.

Es gibt ausführliche Anleitungen mit Fotos und Zeichnungen, auch Rezepte. Und am Ende jedes Kapitels gibt es Links zu bestimmten Inhalten und Studien im Internet. Ich habe versucht, einige wenige Links zu finden, aber leider stimmten genau diese Adressen nicht oder nicht mehr (die englische Originalversion ist ein paar Jährchen alt, vielleicht sind auch einige Links irrtümlich übersetzt worden? Ich habe mir das Buch per Onleihe ausgeliehen). Es gibt auch Hersteller-Links z.B. für die im Buch genannten Nahrungsergänzungsmittel, die Kettlebell, Barfuß-Schuhe u.a. … Empfehlung des Autors, seine persönlichen Favoriten, und Werbung.

Nicht alles nachmachen

Ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass Tim Ferriss Spaß an seinen Recherchen hatte und seinem Körper einfach alles zumutet – aus reiner Experimentierfreude – und auch, um den Körper in gewisserweise auszutricksen. Die Leser müssen nicht alles nachmachen.

Die Diät habe ich allerdings ausprobiert. Mit wenig Aufwand die paar überflüssigen Kilos loswerden, will ich nämlich schon lange. Bei der von Tim Ferriss empfohlenen Slow Carb Diät soll sich der Stoffwechsel auf Fettverbrennung umstellen. Es klingt beim Lesen alles sehr einleuchtend, und Ferriss berichtet von verblüffenden Erfolgen (anhand von Vorher-Nachher-Fotos). Aber ich habe die Diät nur knapp 10 Tage durchgehalten. Ich hatte damit einfach keine Freude am Essen, und ich bin ein Genussmensch. Als Vegetarierin kann ich hier nur wenig variieren (immer nur Ei?). Also habe ich mir das Experiment nicht länger als nötig zugemutet. Auch das gehört zu einem vernünftigen Umgang mit dem eigenen Körper. Vielleicht versuche ich es mit einer anderen Methode oder mit Sport. Kraftraining und Laufen passen nicht unbedingt zu mir, aber ich habe mir jetzt ein Minitrampolin bestellt. Das kommt in dem Buch zwar nicht vor, aber ich meine, ohne Spaß an der Sache kann man es gleich vergessen.

 Methoden

  • Slow Carb Diät: Man vermeide an 6 Tagen der Woche die ‚weißen‘ Kohlenhydrate und Milchprodukte (Kartoffeln, Reis, Brot, Zucker). Stattdessen gibt es mehr Eiweiß (Fleisch, Eier, körniger Hüttenkäse) sowie Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen) und natürlich Gemüse zu essen. Obst wird gemieden. An einem Tag in der Woche ist dagegen alles erlaubt, der sogenannte „Fress-Tag“.
  • Zielgewicht anpeilen – mentale Einstellung: Ziel ist ein langsames stetiges Annähern an das Zielgewicht. Das Ausgangsgewicht wird am Anfang einer Tabelle vermerkt, das Endgewicht am Ende der Tabelle. Dazwischen liegt der Zeitraum, in welchem das Gewicht abgebaut werden soll. Das Gewicht wird zu festgelegten Zeiten gemessen und in die Tabelle eingetragen. Am besten auch graphisch aufbereiten.

Zitat

The 4-Hour Body is the result of an obsessive quest, spanning more than a decade, to hack the human body.

(Zitat aus der Webseite http://fourhourbody.com. Meine Übersetzung: Der 4-Stunden-Körper ist das Resultat einer über eine Dekade andauernden obsessiven Suche, den menschlichen Körper zu hacken (bzw. an seine Grenzen zu bringen).

Links

  • fourhourbody.com: Die Webseite von Tim Ferriss zum Buch
  • 4-Stunden-Körper-Blog  von Malte Tückmantel mit Tipps und Rezepten für die Slow Carb Diät. Malte experimentiert anhand der Vorlage und beschreibt seine Erfahrungen.
  • Die-4-Stunden-Körper-Toolbox von Joachim Simon bietet Tipps, Tricks und Kritik zu den Experimenten sowie wichtige Ergänzungen zum Buch, z.B. damit sich Anfänger beim Training mit Gewichten nicht verletzen.

 

Ein Kalender fürs „Commitment“

Kalenderblatt für 100 Tage zum Ankreuzen

Es ist schon bald Ende Februar, und ich komme nicht voran. Ich ahne es, ich befürchte es.

Damit die Ahnung es bunt auf weiß bekommt, führe ich nicht einfach eine Strichliste ein. Ich schaffe mir ein visuelles Instrument: Den Ankreuz-Kalender für 100 Tage* oder 100 Male, an denen ich etwas für mein Commitment in diesem Jahr tue.

Ich freu mich schon, wenn ich die ersten 25 oder 50 Male erreicht habe. An den Meilensteinen werde ich feiern. Ich glaube und hoffe, dass es dann für mich wie von selbst läuft.

Denn wenn ich meine Ziele im ersten Halbjahr noch erreichen möchte, dann muss ich wirklich sehen, was ich dafür tue. Auf einem meiner Kalender wird deshalb stehen: „30 – 60 Minuten Schreibzeit für Roman“.

Den Kalender gebe ich hier zum Download frei, vielleicht braucht ja noch jemand eine bunte Ankreuzfläche. Er heißt natürlich „Mein Commitment“, weil Commitment mein Jahresthema ist, lässt sich aber frei anpassen. Sowohl für Schreibziele wie auch für Fitnessübungen, Meditation- und Yoga oder Diätthemen. Hauptsache es geht um einen definierten Zeitraum, an dem regelmäßig etwas Bestimmtes getan wird. Wem die 100 Tage zuviel sind, der kann ja auch explizit 50 Male hineinschreiben oder 50 Mal in 100 Tagen oder wie auch immer.

*Wie komme ich ausgerechnet auf 100? In Qigong werden auch Übungskalender über 100 Tage genutzt. Man geht davon aus, dass dir nach 100 Tagen die Übungen in Fleisch und Blut übergehen. Natürlich schafft das nicht jeder. Daher ist die Variante 100 Mal z.B. innerhalb vier bis fünf Monaten eine praktikable Alternative.

Download: Buntesegel Commitment-Kalender (PDF, 370kb)

 

Wie geht’s voran mit den eigenen Zielen?

Ziel-Ergebnis-Blogbild

Das neue Jahr ist sechs Wochen alt, Karneval auf allen Sendern, Valentinstag und Fastenzeit… Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich ahne, dass ich mein Jahresmotto „Commitment“ bisher auf alles Mögliche bezogen habe, nur nicht auf meine beiden konkreten Ziele: am Romanentwurf arbeiten und öfter mal nach 18 Uhr nichts essen.

Erste Ergebnisse?

  • Ich bin zwei Schritte in der Snowflake-Methode vorangekommen. Insgesamt sind es 10 Schritte zur Vorbereitung des Plots (Näheres zur Snowflake-Methode beschreibt Randy Ingermanson hier). Der dritte Schritt macht richtig Arbeit: Ich muss hier nämlich für jede wichtigere Figur eine Zusammenfassung schreiben. Also Name, Rolle in der Story, Ziele, Konflikte und was sich für diese Figur ‚verändert‘ durch die Geschichte. Wahrscheinlich habe ich deshalb erstmal eine Pause eingelegt.
  • Nichts mehr Essen nach 18 Uhr ist so eine Sache. Ich habe es vielleicht fünf Mal geschafft. Teilweise ging es gut, einmal konnte ich deswegen nicht einschlafen. Ich lebe nicht alleine, und wenn da einer abends was Leckeres kocht, ist es schwer, nicht mitzuessen. Ich hatte mir das Ziel gesetzt 100 Tage zu schaffen. Fehlen noch 95.

Dass ich während der Arbeit keine Zeit für den Roman habe, ist übrigens keine Entschuldigung. Denn ich habe in meiner Freizeit unheimlich viel Zeit fürs Lesen aller möglichen Bücher gefunden – und natürlich fürs Internet.

Wofür ich in meiner Freizeit Zeit hatte

  • In meinem relativ neuen E-Book-Reader das Gratisbuch von Alex Capus ‚León und Louise‘ fertig gelesen.
  • Aus der Onleihe einen Ratgeber von Christine Weiner „Ich wär so gern ganz anders, aber ich komme so selten dazu“ komplett gelesen.
  • Stephan Waldscheidts „Schneller Bestseller – Bessere! Romane! Schreiben! 3″ gelesen und rezensiert.
  • „Die Prophezeiungen von Celestine“ von James Redfield in einem Flohmarktladen entdeckt, gekauft, gelesen und dadurch erfahren, dass Celestine kein Mensch, sondern ein Ort ist.
  • Ich habe  Texte zu autobiografischen bzw. schreibtherapeutischen Themen für mein Fernstudium Poesiepädagogik geschrieben.
  • Ich habe mich schreibend mit einigen Karten aus dem Selbstheilungs-Navigator von Clemens Kuby befasst.
  • Vier Blogbeiträge verfasst, einige Kommentare auf anderen Blogs und in Foren.
  • Ich habe eine meiner Webseiten von Joomla 1.5 auf Joomla 2.5 migriert und ein neues Template angepasst.
  • Viel Zeit hatte ich anscheinend auch für Internet-Spiele und TV.

Und nun? Ich kann zwar sagen, ich war produktiv, schließlich habe ich ja auch geschrieben. Aber ich glaube fast, ich brauche doch einen Plan, damit ich in den richtigen Themen produktiv werd. Ob nun Stundenplan, Tages- oder Wochenplan.

Als Qigong-Praktizierende weiß ich, dass täglich eine Viertelstunde viel mehr bringt, als nur einmal in der Woche eine Stunde. Ich nehme mir vor, zweimal die Woche nach 18 Uhr nichts zu essen und mir jeden Tag mindestens 30 Minuten für die Schneeflockenmethode zu nehmen. Ich werde mir eine Liste zum Abhaken erstellen und Erinnerungen in Thunderbird platzieren. So, jetzt aber! Commitment heißt Hingabe und Festlegung. So, jetzt aber! Zeit läuft.

 

 

 

 

 

In den Vielseitigkeitsmedien zuhause

Gerade habe ich ein Bild in ein Widget im Seitenbereich eingebaut. Stelle mal wieder fest, dass das Internet für vielseitige Menschen wie geschaffen ist. Um etwas auszuprobieren, Neues kennenzulernen, aber auch für Profi-Tätigkeiten. Webseiten und Blogs benötigen Texte, Fotos, Grafiken, ein Auge für Layout, interessante Querverweise (‚Links‘) zu verwandten Themen.

Gefragte Fähigkeiten für die Bloggerei:

  • Grundkenntnisse zu Gliederung/Aufbau von Webseiten (leicht anzueignen)
  • Html/CSS-Verständnis für kleinere oder größere Anpassungen der Templates/Themes (dazu gibt’s viele hilfreiche Internetseiten, auch kostenlose Angebote)
  • Digitale Bildbearbeitung (entweder mit eigenen Programmen oder durch Tools im Netz)
  • Selbstständiges Entscheiden, Content managen
  • Interesse an den gebloggten eigenen Themen und angrenzende, verwandte Gebiete
  • Lesen von anderen interessanten Blogs
  • Mitteilungsbedürfnis, um über eigene Texte und Kommentare etwas von der eigenen Persönlichkeit zu erzählen,
  • Beständigkeit, Dranbleiben am Thema und immer wieder neue Beiträge verfassen
  • … sicherlich noch mehr wie z.B. formales, rechtliches Know-How, Marketing- und Videokenntnisse…

Ich schätze, das Durchhalten ist oft das Problem. Mir ist das mit meinem ersten Blog so ergangen. Ich habe liviagrupp.wordpress.com von Anfang an als Spielwiese verstanden und einfach mal ausprobiert. Die Freiheit habe ich mir damals genommen. Das Ergebnis war ein Sammelsurium unterschiedlichster Themen. Und dann habe ich den Blog quasi ein Jahr lang nicht mehr betreten habe, bis ich die Bunten Segel gesetzt habe.

Das eigene Leitmotiv finden

Bunte Segel auf Meereswellen Strichzeichnung - Logoentwurf
Meine frühen Logo-Ideen

Ich musste erst herausfinden, wie sich alles zu einem Ganzen fügt. Und das ist mir nicht einfach zugeflogen. Für mich war die Entdeckung von puttylike, einer amerikanischen Website und Community für vielseitige Menschen (sogenannte „Multipods“) dabei sehr hilfreich. Emilie Wapnik hat aus ihren Erfahrungen heraus einen Business-Ratgeber für ‚multipotentials‘ erstellt, um dem eigenen Leitmotiv auf die Spur zu kommen, und um herauszufinden, welchen Nutzen die eigene Webseite oder der eigene Blog den Leser/innen bieten will. Damit habe ich wirklich einige Wochen gearbeitet, bis ich mein ureigenes Thema erkannte.

So habe ich schließlich meine bunten Segel entdeckt, arbeite allerdings immer noch weiter am Slogan und sicherlich auch am allgemeinen Erscheinungsbild, am Logo. Dennoch, diesmal habe ich das Gefühl, dass dieser Neuanfang ‚Beständigkeit‘ in sich trägt. Das Aussehen mag sich hin und wieder ändern, schließlich lieben wir die Abwechslung. Aber der Kern bleibt derselbe: sich von bunten Segeln tragen lassen, die Farben der Vielseitigkeit stolz tragen und die eigenen Potenziale entfalten.

Und wie bringt das Internet Eure Vielseitigkeit zur Geltung?

 

 

 

2013 vielleicht doch mal Ziele setzen

Teller, Zettel, Ideen, Musik 2013
Ziele setzen für 2013 – aber wie und welche?

Das neue Jahr ist schon 9 Tage alt – wir befinden uns in der ersten wirklichen Arbeitswoche – und ja, ich setze mir Ziele für 2013.  Ich habe festgestellt, dass ich nach einer Phase des ‚mal sehen, was wird‘ nun wieder mehr Planung und Selbstmanagement benötige. In meinem vorigen Beitrag über eine Art Jahresbilanz habe ich ja schon angedeutet, dass ich manchmal das Gefühl habe, die Zeit verrinnt. Und das, was ich beruflich und privat mache, wenn ich schreibe oder denke, ist eben nicht immer etwas Vorzeigbares, etwas, das man anfassen kann.

Nein, gute Vorsätze reichen dieses Jahr nicht, ich brauche echte, umsetzbare Ziele.

„2013 vielleicht doch mal Ziele setzen“ weiterlesen

Eine Art Jahresbilanz

2012 und 2013 als Jahreszahlen, 2012 durchgestrichen, Daumen hoch und Yin-Yang-Symbol sowie Plus-Minus

In Samoa feiern sie schon das Neue Jahr, aber noch haben wir in Europa Silvester. Normalerweise würde ich mir heute schon überlegen, welche Ziele ich mir zum Jahresanfang setze. Aber dieses Jahr möchte ich nun nicht zu Ende gehen lassen, ohne ein bisschen Ordnung in das Bunte zu bringen, was ich 2012 erlebt habe. Ich will einen Jahresabschluss durchzuführen, bevor ich meine Energie in neue Ziele und Vorhaben lege.

Wozu eine Bilanz? Mein Grund ist, dass ich manchmal das Gefühl habe, die Zeit und das, was ich so tue, rinnen mir einfach durch die Hände. Es ist nicht immer fassbar, welche Entwicklungen es gegeben hat. Ich möchte mir die Dinge bewusst machen, die gut für mich waren, die Spaß gemacht haben und wovon ich noch mehr haben möchte. Mein Jahresrückblick soll mir deutlich machen, was wichtig für mich ist und mir positive Energie gibt.

Und ich möchte erkennen, welche Situationen ich klären oder verbessern könnte. Mit diesem Hintergrund lasse ich das vergangene Jahr Revue passieren, notiere mir vielleicht die Details und bringe das Jahr zum Abschluss – und dann heißt es loslassen.

Verschiedene Methoden eignen sich für eine Rückschau.

„Eine Art Jahresbilanz“ weiterlesen

NaNoWriMo / What’s another year …

Hallo Orell und Miranda,

na, wie geht’ s? Lange nicht gesehen, ich weiß. Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich euch versprochen habe, eure Geschichte zu Ende zu erzählen.

Wie ihr wisst, konnte ich einfach nicht weitermachen, damals im November 2011. Ihr habt es mir aber auch nicht gerade leicht gemacht. Mitten im NaNoWriMo habt ihr mich verlassen. Nach 16.000 Wörtern musste ich aufhören. Was war das, ein gemeinsamer Streik der Romanfiguren? Oder meine eigene Schreibblockade?

… Bitte weiterlesen im Bodenlosz-Archiv.

Im Rahmen der Blogwichtel-Akton im Texttreff habe ich heute meinen ersten Text bei Katharina Pollner aka Nina Bodenlosz in ihrem Bodenlosz-Archiv veröffentlicht. Mein Gastbeitrag ist ein Brief, und der Hintergrund ist der, dass ich den NaNoWriMo 2011 nach ca 16.000 Wörtern abgebrochen und meinen angefangenen Roman lange Zeit nicht mehr angeschaut hatte. Jetzt, nach über einem Jahr, schreibe ich an meine Helden und gehe die Schreibblockade an.

Was ist das Blogwichteln?

Seit einigen Jahren veranstaltet der Texttreff, das Netzwerk wortstarker Frauen, regelmäßig vor Weihnachten das sogenannte Blogwichteln. Bloggerinnen schreiben dabei Gastbeiträge für andere Bloggerinnen. So entstehen nicht nur viele interessante Texte, sondern auch eine Menge neuer Kontakte im Netzwerk und natürlich viele Links.

Auch auf hier auf BunteSegel.de und  TextundSchreiben.de erwarte ich in den nächsten Tagen spannende Gastbeiträge. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Kunterbunte Hobbys suchen Organisationsgenie

Seit meiner Kindheit male und zeichne ich, und heute zählt auch das kreative Gestalten mit Papier zu meinen Hobbys – neben dem Singen, Lesen, Qigong, Meditation, Ehrenamt…  Und so packt es mich manchmal, dann fang ich an Papiere zu reißen und irgendeinen Gegenstand (zuletzt Stühle) zu kaschieren. Oder ich melde mich mal wieder zu einem Malereiworkshop an oder zum Aktzeichnen. Und dann kommt erstmal etwas, was ihr vielleicht auch kennt: Zusammensuchen der wichtigsten Werkzeuge und Materialien. Oder Neukauf.

In meiner Wohnung stehen und hängen Leinwände, gibt es Boxen und Kisten mit großen und kleinen Farbbehältern, Tuben, eine Tasche mit Papieren, Kleister, natürlich habe ich auch eine Box mit Buntstiften, Aquarellfarben, Pastellkreiden, Filzstifte, Pinsel, Spachtel…  Sogar Knetmasse gibt es in einem Regal. Und einige Skizzen- und Zeichenblöcke sowie diverse Papierrollen lagern nebenan in der Kommode. Die Staffelei habe ich aus Platzgründen schon länger in den Keller verbannt. Was die Hobbys angeht, versuche ich mich als Genie, welches das kreative Chaos beherrscht.

Welches Genie beherrscht sein Chaos?

Kiste mit Farben, Paletten, Pinsel auf einem Tisch, daneben ein StuhlNun, mir zumindest gelingt es nicht immer. Natürlich habe ich eine grobe Sortierung: Hier die Werkzeuge, dort die Kleber, hier die Acrylfarben, dort die Buntstifte und Kreiden.

Doch wenn mich der Rappel packt und ich spontan malen will, steht immer erst einmal eine große Vorbereitung an. Platz schaffen am Esstisch, der leider auch oft genug nicht einfach frei ist, dann heraussuchen, was ich für die aktuelle kreative Arbeit brauche, hinsetzen, anfangen… und dann feststellen, dass ein Teil der Farben eingetrocknet ist. Und mit sich ins Gericht gehen: „Wie lange hast du eigentlich nicht mehr gemalt?“

Dass das keine ideale Voraussetzung für Kreativität ist, liegt buchstäblich auf der Hand. Man kommt sich vor wie Großmütter, die es früher vermochten, aus Essensresten ein wunderbares Gericht zu kochen. Natürlich bringst du auch im Chaos etwas zu Papier, denn du hast ja den kreativen Drang. Aber schöner wär’s natürlich, du könntest wirklich genau das umsetzen, was du dir vorgenommen hast. Wenn dir wirklich die Farbe zur Verfügung steht, die du dir vorstellst – und nicht die, die eben zufällig nicht eingetrocknet ist.

Bisher habe ich mit Behelfslösungen gearbeitet und vielleicht statt Tempera- eine Aquarellfarbe oder Acrylfarbe eingesetzt. Ich möchte jetzt ein besseres Selbstmanagement haben. Es muss ja nicht gleich das Total Productive Management oder das Hobby-Künstler-Kaizen sein – aber irgendein praktisches System für Hobbykünstler mit beengten Raumverhältnissen muss es doch geben.

Ich schätze, es geht nicht über Nacht. Wer hilfreiche Tipps anbieten möchte, ist herzlich willkommen. Vielseitige Menschen können mit System sicher viel mehr erreichen – und einiges an Zeit und Nerven sparen!

Inklusion betrifft alle

Wer nimmt eine kleine Weltreise auf sich, um die Inklusion zu unterstützen? Ich! Und das, obwohl ich im Winter eher ein Couch-Potato bin und lieber zuhause bleibe. Aber: Das Inklusive Filmfestival „Überall dabei“ der Aktion Mensch machte Station in Heidelberg. Und wenn schon mal was Inklusives angeboten wird, dann wollte ich das unterstützen. Also erst 10 Minuten Straßenbahn bis zum Hauptbahnhof Mannheim, dort 10 Minuten warten,  dann weitere 23 Minuten Fahrt in der S-Bahn bis zur Heidelberger Altstadt und dem Karlstorkino. (Ich vergaß zu erwähnen, dass ich derzeit ohne eigenes Auto, dafür aber mit ÖPNV und Carsharing mobil bin.)

Kinoträume inklusive

Genug Zeit zum Philosophieren auf der Fahrt. Ich überlege: „Wenn Inklusion realisiert wäre, dann würde ich als Schwerhörige jetzt nicht extra mit der Bahn durch die Nacht fahren. Ich könnte dann jederzeit auch in Mannheim Kinofilme barrierefrei sehen.“ Wie könnte das aussehen? Reicht etwa ein regelmäßiger Filmtag z. B. mit aktuellen untertitelten Filmen, Hörfassungen für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, spezielle Tonfassungen für schwerhörige Menschen, Kinoton über Induktionsanlagen … Meine Phantasie geht mit mir durch, ich sehe schon große Kinohäuser, die mindestens einen ihrer Kinosäle generell barrierefrei und zugänglich gestalten. Immer, jeden Tag. Du kannst hingehen, wann du willst, und Filme barrierefrei schauen.

Aber ich fahre ja nicht nur wegen der Barrierefreiheit durch die Nacht. Das Festival und die gezeigten Filmbeiträge setzen sich auch genau mit dem Thema Inklusion auseinander. Und der Film, den ich sehen will, heißt „Deaf Jam“. Es geht um eine gehörlose Schülerin in den USA, die während eines Schulprojekts ‚deaf poetry‘ lernt.

Poesie direkt und unmittelbar: Deaf Jam

Die Schülerin Aneta drückt dabei ihre Gefühle in Gedichtform mit eigenen neuen Gebärden und Gebärdenbildern aus. Das Ganze bekommt eine weitere Dimension, als sie bei Poetry Slams auch vor Hörenden auftritt und später als israelische Einwanderin gemeinsam mit einer hörenden palästinensischen Einwanderin auftritt. Es ist eine einzigartige Performance, auf die auch der entsprechende Film-Trailer gut einstimmt.

Der Film hat mich als Zuschauerin sehr berührt, es war sehr lebendig und gefühlvoll. Und auch nachdenklich – denn es kommen auch die Ängste der Schüler zur Sprache, die Fragen nach dem, was nach der Schule kommt. Wie wird man sich zurechtfinden außerhalb der Gehörlosenschule, außerhalb der Gehörlosengemeinschaft, wo die Mehrheit mit Lautsprache und nicht mit Gebärden kommuniziert?  Wie kann ein Studium finanziert werden, wenn die Einwanderer noch nicht eingebürgert wurden?

Was mir besonders gut gefiel, waren die Untertitel. Diese wurden nicht so, wie man’s vom Fernsehen kennt, unten eingeblendet, womöglich vor schwarzem Hintergrund. Nein, die Untertitel waren Bestandteil des Films – sozusagen inklusive. Sie wurden grafisch den Gebärden angepasst und waren richtig hineinverwoben in die Darstellung der jugendlichen Dichter.

Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht?

FM-Anlage
FM-Anlagen senden Ton z.B. per Mikrofon in einen mobilen Empfänger, der dann per Kopfhörer oder Induktionsschleife den Ton zum Ohr oder Hörgerät transportiert.

Natürlich wollte ich als Hörgeräteträgerin auch die Induktionsanlage nutzen, die in der Veranstaltungsbroschüre aufgeführt war. Ich wollte alles mitnehmen, was ‚inklusiv‘ bedeutet. Leider kannte sich der Mensch vor Ort kaum mit dieser Technik kaum aus. Ich zeigte ihm, dass ich die T-Schlinge aus seinem FM-Koffer bräuchte und natürlich den Empfänger. Doch die Anlage funktionierte nicht.

Bei der offiziellen Begrüßungsrede zögerte ich  und dachte, vielleicht war die Technik ja nur für den Kinoton vorgesehen. Außerdem gab es Mikrophon, Lautsprecher, Schrift- und Gebärdendolmetscher für den Redner – ich verstand also alles.

Aber dann sitzt du in der Mitte der Kinoreihe, Licht aus, Film ab – kein Ton über Induktion. Du probierst die Kanäle durch… Nichts! Und dann gibst du auf, lässt du’s irgendwann bleiben. Außerdem denkst du, dass dir in diesem speziellen Film – über Gebärdenpoesie – der normale Lautsprecherton reicht, weil es hier sowieso um das Sehen und Spüren geht.

Ich habe also erst nach dem Film, beim Abgeben der Geräte gesagt, dass es nicht funktioniert hat, und bin gegangen. Den Veranstaltern habe ich tagsdrauf per E-Mail das technische Problem geschildert.

Im Nachhinein erkenne ich, dass ich mich besser gleich direkt hätte melden müssen. Denn erstens: Wie sollten die Veranstalter sonst davon erfahren, dass die Technik nicht funktioniert? Und zweitens: weil Inklusion alle betrifft.

Es geht doch nicht, dass ich sage: „Na ja, ich kann’s ja auch ablesen.“ Denn wenn die Kinoton-Übertragung für FM-Anlage nicht funktioniert, könnte das ja rein theoretisch auch Sehgeschädigte und ihre Hörfassungen betreffen. Wer also was sagt, hilft unter Umständen nicht nur sich selbst, sondern auch andern. Das wäre dann ein wirklich inklusives Verständnis.

Und deshalb steht dieser Artikel unter der Kategorie: „Zeigen“. Und auch im Zeigen macht Übung den Meister.

  • Ich notiere mir: Inklusion ist, wenn ich über mich hinausdenke.
  • Das Inklusive Filmfestival „Überall dabei“ ist übrigens bis Mai 2013 in rund 40 Städten zu erleben. Vielleicht auch in einem Kino in eurer Nähe – ohne Weltreise.
  • Im Rahmen des Festivals findet außerdem der Poetry Slam-Wettbewerb „BÄÄM! Der Deaf Slam“ sowie begleitende Workshops für hörende und gehörlose Nachwuchs-Poeten statt, die ihre Gedichte mit Worten und Gebärden ausdrücken.
  • Und wie würdet Ihr den Satz „Inklusion ist …“ beenden?